Warum gibt es die Aktionsgemeinschaften FREIeHEIDe?
Nachdem die Pläne von Verteidigungsminister Rühe bekannt wurden, in der Kyritz - Ruppiner Heide nun doch einen Übungsplatz zu errichten und die militärische Nutzung sogar noch weiter auszubauen, kam es zu ersten Demonstrationen, an denen rund viertausendfünfhundert Menschen teilnahmen. Mitte August 1992 gründete sich aus diesen Protestbewegungen heraus die Bürgerinitiative FREIeHEIDe Kyritz-Wittstock-Ruppin. Ministerpräsident Stolpe ermutigte die Bombodrom-Gegner zu dieser Zeit ausdrücklich zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen und sicherte den Initiativen die Unterstützung seiner Landesregierung zu. Auch der Landtag beschloss, der Bundesregierung gegenüber entschieden gegen eine weitere militärische Nutzung entgegenzutreten. Im Verlauf der folgenden Monate wurde immer deutlicher, dass bei der Planung durch das Verteidigungsministerium unter Rühe wichtige Faktoren nicht berücksichtigt worden waren. Ein wichtiges Beispiel dafür ist wohl die Nähe des AKW Rheinsberg, das nur etwa zwanzig Kilometer Luftlinie vom Bombodrom-Gelände trennt. Pikant daran ist die Tatsache, das eben das Fehlen eines nahen AKWs einer der wichtigsten Standortargumente war!
Obwohl die Bürgerinitiative FREIeHEIDe mit ihren Forderungen, eine militärische Nutzung ein für alle Mal auszuschließen, auf breite Unterstützung durch die Bevölkerung stieß und auch an prominenter Stelle, etwa durch den brandenburgischen Umweltminister Matthias Platzeck, unterstützt wurde, gab es auch Rückschläge, wie zum Beispiel die Weigerung durch Rühe, 30.000 gesammelte Unterschriften gegen das Bombodrom entgegenzunehmen oder das Bekanntwerden der Pläne des Verteidigungsministeriums, das Bombodrom nicht nur als Artillerieschießplatz zu nutzen, sondern zusätzlich das Gelände auch noch zu einem Truppenübungsplatz zu machen und dort etwa tausend Soldaten zu stationieren.
Als Reaktion auf die gewachsenen Herausforderungen gründete die Bürgeriniative FreIeHEIDe den gleichnamigen Verein. Im Frühjahr 1996 reagierten auch die betroffenen Unternehmer mit der Unternehmerinitiative Pro Heide. Die Bürgerinitiativen hörten nicht auf, durch ihre diversen Aktionen das Problem in den Köpfen der Bevölkerung präsent zu halten. So nahmen anlässlich des fünfjährigen Bestehens von FreIeHEIDe vierzehnhundert Menschen an dem Benefizkonzert und den Protestwanderungen teil. Inzwischen wird die Aktionsgemeinschaft von zahlreichen Menschen, unter anderem von Musikern, Aktionskünstlern, Geistlichen, Politikern und Umweltverbänden unterstützt. Anlässlich der Expo 2000 fand in der vormaligen Panzerkaserne Neuruppins die Ausstellung FREIe-HEIDe statt. Eine weitere Unterschriftenaktion erfolgte, und Bundestagspräsident Norbert Lammert wurden über elftausend Unterschriften zugesandt, die die Initiative Pro Urlaub von Feriengästen aus ganz Deutschland gesammelt hatte.
Regelmässig folgten weitere Aktionen und Unterschriftensammlungen, die weiter quer durch die Bevölkerung Unterstützung und Zustimmung fanden. Nach siebzehn Jahren ausdauernden Engagements der FreIeHEIDe-Bürgerinitiativen für eine friedliche, nichtmilitärische Nutzung der Kyritz - Ruppiner Heide, folgte endlich im April 2010 die langersehnte Nachricht, dass die Pläne für die Weiterführung des Übungsplatzes durch die Bundeswehr endgültig aufgegeben wurden. Gewiss nicht zuletzt dank der unermüdlichen Arbeit der Initiativen und ihrer Unterstützer.