Die Geschichte
Nach 1950 erwarb die sowjetische Armee das später unter dem Namen Bombodrom bekannte Areal, indem sie die Eigentümer zwang, ihr Land zu für die Armee sehr günstigen Konditionen abzutreten. Dies kam praktisch einer Enteignung gleich. Auf dem Gelände wurden ein Artillerieschießplatz und ein Bombenabwurfplatz errichtet. Die Nutzung durch die sowjetische beziehungsweise später die russische Armee endete im Jahr 1992, als die Militärs alle Übungsflüge über die Kyritz - Ruppiner Heide einstellten. Ein Jahr später zogen die Streitkräfte der Russischen Föderation ab, und die Anwohner begannen damit, eine zivile Nutzung vorzubereiten. Ein Wegenetz wurde konzipiert und die durch die Schönheit der Landschaft naheliegende touristische Nutzung nahm konkretere Formen an.
Nachdem der Bund diese Pläne anfangs zu unterstützen schien, folgte im Jahr 1992 die überraschende Wende: Eine militärische Weiternutzung wurde durch das Verteidigungsministerium beschlossen. Auch der Verteidigungsausschuss des deutschen Bundestages stellte sich mit den Stimmen der CDU/CSU und der FDP hinter die Pläne des Verteidigungsministeriums unter der Federführung von Volker Rühe.
Ohne dass die genauen Besitzrechte geregelt waren, übergab das Finanzministerium das Gelände an die Bundeswehr. Von mehreren Seiten wurden daraufhin Rechtsmittel gegen diese Entscheidung erwogen. Trotzdem flogen Anfang 1994 erste Kampfflugzeuge im Tiefflug über die Wittstocker Heide, und die Bemühungen, das Gelände von den gefährlichen Altlasten der Jahrzehnte langen militärischen Nutzung durch die Sowjets zu säubern, mussten eingestellt werden. Gemeinden und Grundstückseigentümer strengten die ersten Klagen an. Viele weitere Klagen folgten.
Im Jahr 2003 gab der neue Verteidigungsminister Struck bekannt, dass noch im Sommer des gleichen Jahres mit der endgültigen Nutzung des Geländes durch die Bundeswehr begonnen werden sollte. Dieser Eröffnung folgten weitere Klagen durch Unternehmen, Privatpersonen, Umweltverbände und Anliegergemeinden. Als der sofortige Vollzug der Betriebserlaubnis im August 2003 angeordnet wurde, reagierte das durch die Kläger beauftragte Anwaltsbüro Geulen und Klinger mit einer einstweiligen Verfügung. Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass auch der brandenburgische Wirtschaftsminister Junghanns (CDU) die Pläne des Verteidigungsministeriums inzwischen ablehnte - und das, obwohl das brandenburgische Wirtschaftsministerium im Anhörungsverfahren als einziges Landesministerium eine positive Stellungnahme zu den Bundeswehrplänen abgegeben hatte.
Im Jahr 2005 erhielt Bundeskanzler Gerhard Schröder einen von 260 Kommunalpolitikern verfassten offenen Brief, der sich gegen die militärische Nutzung des Bombodrom-Geländes richtete. Im gleichen Jahr stimmte das Berliner Abgeordnetenhaus mit großer Mehrheit für einen Antrag für die friedliche Nutzung des Geländes. Der Antrag erhielt allerdings nur Unterstützung im Bildungsausschuss und scheiterte in den übrigen Ausschüssen.
Nun trat die Europäische Union in Aktion und eröffnete angesichts der Tatsache, dass über neunzig Prozent des Areals europäisches Naturschutzgebiet sind, wegen Verletzung des EU-Vertrages ein Verfahren gegen die Bundesregierung. Ein weiterer Antrag, eingebracht von Bundestagsabgeordneten der SPD, der Grünen und der PDS, verlangte die friedliche zivile Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. Nur eine Woche später schloss sich der Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) in einem Brief an Bundesverteidigungsminister Struck dieser Forderung an. Ende des Jahres wurden durch die Bundeswehr fünf Eilanträge zur sofortigen Inbetriebnahme des Übungsgeländes vor dem Verwaltungsgericht Potsdam eingereicht. Trotz zahlreicher weiterer gerichtlicher Bemühungen blieb ein inzwischen erwirktes Flugverbot über dem Gelände bestehen.
Im Januar 2007 wurden Pläne des Verteidigungsministeriums bekannt, das Bombodrom-Gelände als kontrollierte Absturzzone für Militärflugzeuge und zudem als Ort zum Schnellablass für Kerosin zu nutzen. Eine Gefährdung der Anwohner und der Naturschutzgebiete durch diese Vorhaben sah das Ministerium nicht. Ende 2007 forderte schließlich der Bundesrechnungshof vom Verteidigungsministerium die Aufgabe weiterer Pläne zur militärischen Nutzung des Bombodroms, da er sie nicht weiter für wirtschaftlich tragbar hielt.
Bundesverteidigungsminister Jung gab im Juli 2009 bekannt, das sich die Bundesregierung nicht weiter gerichtlich gegen die Gegner der militärischen Nutzung der Heide wehren wird und seine Pläne zur Weiternutzung des Bombodrom-Geländes aufgibt. Zuvor hatte sich auch der Bundesrat, einer Petition folgend, mit der Problematik auseinandergesetzt und sich gegen eine weitere militärische Nutzung des Geländes entschieden.
Im April des folgenden Jahres schließlich verlieh Verteidigungsminister Guttenberg dem Verzicht in einer Rede offizielle Bestätigung. Die zum Schluss noch achtzig auf dem Übungsgelände stationierten Soldaten werden abgezogen und der Luftraum über der Kyritz - Ruppiner Heide wird endlich freigegeben. Damit ist die siebzehn Jahre andauernde Auseinandersetzung zwischen den Befürwortern einer friedlichen Nutzung des Geländes und den Befürwortern einer weiteren militärischen Nutzung beendet.